Entwicklung mit dem Wertequadrat

| Kategorie: Coaching

Ich nutze an dieser Stelle gern das Modell des Werte- und Entwicklungsquadrats, das vom Schulz von Thun Institut für Kommunikation eintwickelt wurde. Es ist für mich ein großartiges Tool, um nicht nur das eigene Verhalten ergründen, sondern es zu erweitern und stimmige sowie gleichermaßen konstruktive Verhaltensoptionen zu entwickeln.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: vielleicht hast du eine Eigenart, die dich stört, die aber in stressigen Situationen zum Ausdruck kommt, wie zum Beispiel, dass du dich kontrollierend deinem Kind gegenüber verhältst. Vielleicht hast du Sorge, dass es sonst nicht gut läuft. Wenn du nun den positiven, den guten Kern erforschst, der in dieser »Kontrolle« liegt, könnte es so etwas wie »Unterstützung« sein – eine positive Qualität oder auch ein positiver Wert. Was braucht nun dieser Wert, um nicht ins kontrollierende Verhalten abzurutschen?
Wir suchen einen Partner-Wert, der »Unterstützung« aufrechterhält bzw. stärkt, so dass wir auch in stressigen Situationen nicht in die Falle geraten, abzugleiten in das kontrollierende Verhalten, das wir ja eigentlich nicht an uns mögen.

Vielleicht findest du dann auch den Wert bzw. die Qualität »Vertrauen« oder »Vertrauensvolles Lassen«, das das Kind seine eigenen Erfahrungen machen »lässt« und ihm Vertrauen in seine eigenen Kräfte signalisiert.
Wir könnten dann eine Haltung einnehmen wie: »ich vertraue dir und auch der Situation und dem Leben, indem ich dich deine Erfahrungen machen »lasse«.

Um auch diesen ausgleichenden Gegenpol, nämlich das »Vertrauen« nicht abgleiten zu lassen, ist es natürlich sinnvoll, den Blick auf den Gegenwert »Unterstützung« zu richten, denn dieser Wert verhindert wiederum, dass aus zu viel vertrauensvollem Lassen dem Kind zuviel überlassen und zugemutet wird und es dadurch überfordert oder auch alleingelassen ist.

Oft spiegelt dieser Aspekt, der in der Überbetonung des ausgleichenden Werts liegt, so etwas wie unsere Allergie wider. Diesen Aspekt möchten wir auf keinen Fall erleben oder uns entsprechend verhalten. Das liegt meist daran, dass wir diese Erfahrung kennen und sie mit eigenem emotionalen Schmerz verbunden ist. Vielleicht haben wir in unserer eigenen Kindheit erlebt, wie wir zuviel allein gelassen wurden in einem Vertrauen, das unserere Eltern in uns setzten, das die Bedürfnisse und Überforderung des kleinen Kinds nicht sah und berücksichtigte. Diese Gefühle des allein-bewältigen-müssens sitzen dann tief und haben uns geprägt.

Daher ist oft schon der Ansatz, der im positiven Kern dieses Partner-Wertes liegt, potentiell bedrohlich oder nicht akzeptabel und wird unbewusst vermieden. Dieser Partner-Wert zeigt uns jedoch die Entwicklungsrichtung an und bedeutet eine Chance, unser Verhaltens- und Werterepertoire zu erweitern und der »Falle« und »Allergie« bewusst zu werden.

Das einander ergänzende Wertepaar unterstützt uns – wenn wir uns dessen bewusst sind – so dass wir unter Belastung nicht in die weniger förderlichen Aspekte und Verhaltensweisen gleiten. Auf diese Weise können wir uns immer wieder im positiven Kern eines ungünstigen Verhaltens einen ausgleichenden Wert bewusst machen und uns darin stabilisieren und entwickeln. Das Modell bietet die Möglichkeit, selbst tiefliegende Muster zu beleuchten und Wege in die Entwicklungsrichtung aufzuzeigen.

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