Stressachse – bereit für Flucht und Kampf oder Entstehung von physischen Erkrankungen?

| Kategorie: Psychotherapie

Wenn ein Auslöser im Außen auf unser Bewusstseinsfeld trifft, wird es automatisch an die Gefahrenbewertungsstelle Amygdala weitergeleitet. Die Amygdala sitzt im limbischen Teil unseres Gehirns, das für emotionale Reaktionen zuständig ist. Gleichzeitig trifft der Auslöser auf den Hippocampus, wo alle in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen gespeichert sind. Der Hippocampus kann blitzschnell abrufen, ob der Auslöser anhand bereits gemachter Erfahrungen handhabbar oder nicht ist.
Dementsprechend wird über die Amygdala Angst ausgelöst und eine Kaskade von elektromagnetischen und biochemischen Impulsen in Gang gesetzt.

Das geschieht, indem der Hippothalamus als die oberste Schaltstelle sowohl für das Autonome Nervensystem als auch für die Hormonzentrale Hippophyse diesen beiden Systemen Startsignale gibt. Der für Aktivierung zuständige Sympathikuszweig des Autonomen Nervensystems macht den Körper auf der nervalen Ebene für Kampf- oder Fluchtaktionen bereit, indem es Adrenalin ausschüttet. Auf der hormonellen werden von der Hypophyse Hormone – Noradrenalin und Adrenalin bereitgestellt, die über die Blutbahnen Informationen ans Gehirn geben und für Wachheit und Fokussierung sorgen. Andrenalin ist also in beiden Systemen vorhanden, um höchstmögliche Leistungsbereitschaft für das Überleben zu ermöglichen.

Wenn durch überwältigende und beeinträchtigende Erfahrungen in der Kindheit als wiederholt erlebte überfordernde Situationen (Entwicklungstrauma) oder als Schocktrauma gemacht wurden, wird die Welt unbewusst vorwiegend in der unbewussten negativen Erwartungshaltung von Stress, Überforderung / Angst erlebt. Dadurch werden die Prozesse der Hormonausschüttung und Nervensystemaktivierung permanent ausgelöst und chronifizieren sich dadurch. Die Dauerschleife bewirkt, dass der Hypothalamus ein weiteres Hormon von der Hypophyse anfordert. Es handelt sich um Cortisol, das in der Nebennierenrinde gebildet wird und für die Energiebereitstellung zuständig ist, indem es den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Wenn es aber zu keinem Ende einer körperlichen Flucht- oder Kampfreaktion kommt und weiterhin Stresssignale weitergeleitet werden, schüttet das System weiterhin Cortisol aus. Das Körpersystem erschöpft sich in diesem Prozess. Das führt einerseits zu Müdigkeit, Erschöpfung, Burnout, hat aber auch Folgen auf der körperlichen Ebene: der erhöhte Cortisolspiegel sorgt im Laufe der Zeit für inflammatorische, also entzündliche Prozesse und Ablagerungen in den Gefäßen, was z.B. auch zu dementiellen Erkrankungsformen führen kann. Desweiteren kann der chronifizierte Stressachsenprozess die Beeinträchtigung des Immunsystems, Bluthochdruck und Erkrankungen des Magen-/Darmtrakts verursachen.

Es lohnt sich also auch für unsere körperliche Gesundheit, den inneren Stress bewusst zu machen, ihn sanft und schrittweise aus dem System zu lösen und in Balance zu kommen.

Zurück